Die aktuelle Situation des Drittligisten Wuppertaler SV wirft die Frage danach auf, inwieweit es der regionalen Wirtschaft zugemutet werden kann, dass immer die selben Unternehmen als Sponsoren angesprochen werden, ohne dass es zu einer Zusammenarbeit zwischen den Spitzensportvereinen Wuppertals zu einer synergetischen Zusammenarbeit kommt. Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass in diesen Tagen der wiederholte Ruf des Präsidenten des WSV, Friedhelm Runge, zu vernehmen ist, der die Problematik der Gesamtsituation deutlich aufzeigt. „Sicherlich ist richtig, dass Sport Geld kostet.“, so Thorsten Westhoff, Mitgründer der A!B!C Unternehmensgruppe und ehrenamtlicher Manager der Wuppertal TITANS. „Aber dabei ist ein Aspekt außerordentlich wichtig: Da wo Geld eingesetzt werden muss und fließt, da muss wirtschaftlich gehandelt und entschieden werden.“
Das Einspielen eines Etats, der von vorneherein mit einer festgesetzten Summe definiert wird, sei nicht der einzig richtige Weg. „Wir haben in der ablaufenden Saison als Mannschaft in der höchsten, nationalen Klasse genau umgekehrt gehandelt: Erst haben wir danach gesehen, was wir in der Kürze der Zeit an Etat hinbekommen. Und erst im zweiten Schritt haben wir geprüft, wie wir damit in der Saison handlungsfähig sind. Dabei konnten wir sehr wohl gestalten. Und wir haben vor allem auch die erste Liga gehalten.“ Erst im Laufe der Saison habe man gesehen, was sich Etatseitig entwickelt und damit Schritt für Schritt auch die Kosten ansteigen lassen. Dass der Klassenerhalt lange wackelte, habe mit der sportlichen Leistung, nicht aber mit dem Etat zu tun gehabt. Dabei könne das Argument eines kleinen Kaders oder Spielerqualität nicht tragen. „Zwar haben wir nicht nur erste Garde als Spieler verpflichtet. Aber mit Teammitgliedern wie Peter Lyck, Gergely Chowanski, Thilo Späth und Oliver Gies kann nun keiner sagen, wir hätten nur Spieler, die dem Grunde nach lediglich Regionalliga tauglich sind.“ Man könne sich aber eben gerade in wirtschaftlich limitierten Phasen eben nicht 15 Lycks, Chowanskis oder Späths oder Gies´ leisten. „Fakt ist: Ohne Geld kein Spitzensport. Nur Fakt ist auch: ohne wirtschaftliches Handeln, kein erfolgreicher Erhalt des Spitzensports. Mit diesem Spannungsfeld müssen wir umgehen. Dieses Spannungsfeld können wir gestalten.“
Abgesehen von der Frage der Wirtschaftlichkeit von Sportvereinen sei ein wesentliches Element vor allem für Motivation der Mannschaften und der Stimmung an den Austragungsorten die Fans. „Wer spielt schon gerne in einer Stimmung, die eher dem Abschluss eines internen Schulwettbewerbs ähnelt, als einer Spitzensportveranstaltung.“ Erst, wenn Stadion oder Halle richtig voll seien, entwickele sich eine Stimmung, die ansteckt.
„Wir sehen hier viele Ansatzpunkte für gemeinsame Konzepte. Hier zählt nicht der einzelne Club, sondern der Spitzensport insgesamt.“, so Westhoff. Dies sei wichtig für das Bergische Städtedreieck und vor allem für den Standort Wuppertal. „Ob es eine Dauerkarte gibt, die Fans zum Zutritt bei mehreren oder gar allen Vereinen berechtigt; ob Fans verschiedener Clubs für die Überdachung der Fantribüne beim WSV sorgen und alle gemeinsam füreinander Eigenleistung erbringen. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist enorm – nur ungenutzt. Das muss sich ändern.“ Ändern müsse sich auch die Gestaltungsmentalität von Spitzensport. Man könne nicht nur Unterstützung abfordern, sondern müsse begreifen, dass die Leistung von Spitzensportvereinen und die autarke Gestaltung von Strukturen und Funktionsmechanismen die Inhalte seien, die man der Region und der Stadt Wuppertal zurück geben müsse. „Wie in jedem Beziehungsgeflecht so gilt auch hier: Geben ist seliger denn nehmen. Wir sind unserer Stadt und unserer Region etwas schuldig. Das muss sich nur irgendwann auch bemerkbar machen.“, so Westhoff.
Man stehe für Gespräche bereit und würde sich freuen, wenn nachhaltige gemeinsame Konzepte die Sportlandschaft vor allem für die Fans und den optimierten Effekt des Einsatzes von Sponsorenmitteln ermöglichten. „Dem Grunde nach sitzen wir doch alle im gleichen Boot, Unternehmen wie Vereine: wirtschaftlich ist es eng. Wir wollen den Erhalt des Spitzensports und haben jedes Jahr, jede Saison nur eine Chance, die nähere Zukunft zu gestalten. Das sollten wir tun.“, so Westhoff.
Die Wuppertal TITANS haben in der vergangenen Saison den Klassenerhalt in der ersten Herrenvolleyballbundesliga erkämpft. Durch einen kleinen Kader und eine als ungewöhnlich empfundene Sportpsychologische Maßnahme kamen die TITANS in die Schlagzeilen. Aller Skepsis zum Trotz haben die TITANS den Klassenerhalt geschafft und verließen die Saison ohne Finanzlücken.