So etwas hatte die Paul Horn-Arena bisher noch nicht erlebt: Ein deutsch-brasilianisches Sportfest wurde am Sonntag vom EnBW TV Rottenburg zusammen mit deren Hauptsponsor EnBW Energie Baden-Württemberg AG in Tübingen veranstaltet. Zum zweiten von drei Aufeinandertreffen der Volleyballnationalteams aus Deutschland und Brasilien (1:3 / 23:25, 25:21, 16:25, 23:25) im Rahmen der Vorbereitung auf die WM-Qualifikation strömten 2700 Zuschauer in die Halle in der Europastraße. Ein Tag, den vor allem Matthias Pompe nicht vergessen wird.
Am Montagabend war die Testserie gegen den Weltranglistenersten Brasilien schon wieder vorbei und Neunationaltrainer Raul Lozano hatte die ersten Erfahrungen mit seiner neuen Mannschaft gesammelt. Zwar weist seine Bilanz nun bei drei Spielen drei Niederlagen auf, ein schlechter Start mag man glauben, jedoch ist der Weltranglisten Erste Brasilien der wohl „denkbar schwerste Gegner, um mit einem Sieg zu starten“ resümierte Lozano bereits nach der ersten Niederlage am Freitag in Düren (0:3). Aus den gewonnen Eindrücken stellte Lozano nach dem letzten Test in Darmstadt am Montagabend seinen 12er-Kader für die WM-Qualifikation (29. bis 31. Mai) zusammen. Aus dem bisherigen 16-er Kader wurden Zuspieler Manuel Rieke (A10 Netzhoppers Königswusterhausen), Mittelblocker Armin Dewes (Generali Haching), Libero Thilo Späth (Wuppertal Titans) und Außenangreifer Matthias Pompe (EnBW TV Rottenburg) gestrichen.
Kein Grund für Rottenburgs Pompe traurig zu sein: Wurde er doch von Lozano zuerst in den erweiterten 35er-Nationalkader berufen und Anfang Mai dann sogar zum Lehrgang der 20 besten deutschen Spieler nach Heidelberg eingeladen. Doch die Erfolgsgeschichte ging noch weiter. Nachdem Lozano weitere vier Spieler aussortiert hatte, war Matthias Pompe neben 15 weiteren Akteuren weiter im Kader für die Spiele gegen Brasilien. Die Krönung folgte am Sonntag in Tübingen vor heimischer Kulisse. Mitte des zweiten Satzes debütierte der Außenangreifer und wurde an die Aufschlaglinie beordert. Zwar eine kurze, aber emotional kaum zu übertreffende Länderspielpremiere für den sympathischen Pompe, wurde er doch von 2700 Fans frenetisch gefeiert. Dass Matthias jetzt nicht im 12er-Aufgebot für die WM-Qualifikation steht, bedeutet nicht das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere. Schon Anfang Juni wird er wahrscheinlich wieder den Nationaldress tragen, wenn die DVV-Männer in der European League auf Punktejagd gehen. Dies bestätigt auch Trainer Lozano: „Die Spieler, die ich jetzt für die WM-Qualifikation gestrichen habe, kehren zur European League zurück“. Zudem werden die Außenangreifer Björn Andrea und Marcus Popp nach der WM-Quali die Halle gegen den Sand eintauschen und dem Nachwuchs den Vorrang lassen.
Die deutschen Schmetterkünstler können eine ordentliche Zwischenbilanz ziehen. Zwar gingen alle Partien gegen die Südamerikaner verloren, über weite Strecken konnten die DVV-Männer aber gut mithalten. Unterm Strich sprang nur ein gewonnener Satz dabei raus, dieser gelang in Tübingen. Unter stehenden Ovationen feierten die 2700 Zuschauer den erfolgreichen Satzball von Dirk Westphal im zweiten Durchgang zum 25:21-Erfolg. Schon Satz eins war denkbar knapp, Brasilien konnte diesen aber dank einer konzentrierten Leistung mit 25:23 für sich entscheiden. Im dritten Satz war die Selecao auf Wiedergutmachung aus und gewann klar mit 25:16. Deutschland konnte sich im vierten Abschnitt nochmal aufraffen und war knapp vor Erreichen des Tie-Breaks, schaffte die Wende aber nicht mehr und verlor auch Durchgang vier mit 23:25.
Trotz der Niederlage waren alle Beteiligten sehr zufrieden mit der Veranstaltung in Tübingen. Die Einbindung des Spiels in ein brasilianisches Straßenfest kam ausgesprochen gut an. Bei strahlendem Sonnenschein und tropischen Temperaturen genossen die Gäste ihre kühlen Getränke und kulinarischen Leckerbissen sowohl in als auch vor der Halle. Dort wurde bereits zwei Stunden vor Spielbeginn bis weit nach Spielende kräftig eingeheizt: Die Gruppe „Chucrute com Banana“ bot brasilianische Musik, der Tübinger Capoeira-Verein „Quilombolas de Luz“ zeigte brasilianische Kampftänze und Samba. Beide Gruppen ernteten für ihre Darbietungen den berechtigten Beifall der gut unterhaltenen Zuschauer.